Traumafokus und Schmerztherapie

Traumafokus ermöglicht die unmittelbare Auflösung traumatischer Inhalte im Gehirn, sowie im Nervensystem. Es handelt sich dabei um einen tiefenpsychologischen und köperorientierten Ansatz. Alles was wir bisher in unserem Leben erlebt haben, ist in unserem Gehirn und in unserem Körper abgespeichert. Mittels Verdrängung versuchen wir manchmal diesen schmerzhaften Inhalten verständlicherweise auszuweichen. Diese verdrängten Inhalte sorgen jedoch indirekt immer wieder für Probleme, es können Angst- und Panikzustände sowie Schmerzen auftreten, Unwohlsein, (starke) innere Unruhe, Schlafstörungen usw.

 

Wie kann ich mir so eine Traumafokus-Sitzung vorstellen?

Zuerst wird das zu bearbeitende Thema eingebracht, dann wird der felt sense ermittelt. Der felt sense ist jener Ort im Körper, wo ich das Gefühl dazu wahrnehme. ZB.: ich spreche über ein angstbesetztes Thema und nehme eine Art Druck in meinem Brustkorb wahr. Als nächstes wird jene Augenposition ermittelt bei welcher ich diesen Druck am stärksten wahrnehme. Denn diese Augenposition ist direkt mit dem Gehirn- und Körperspeicher verlinkt. Das Gehirn wird somit unmittelbar in eine verbesserte Regulation dieser Stressinhalte gebracht. Durch eine vertiefte Atmung wird das vegetative Nervensystem bei der Verarbeitung dieser psycho-physischen Prozess unterstützt.

 

Welche Erfahrungen habe ich als Therapeutin mit Traumafokus gemacht?

In meiner Ausbildung als Traumafokus-Therapeutin habe ich in meiner Selbsterfahrung festgestellt, dass belastende Inhalte sich wirklich ganz auflösen können, dass körperliche Symptome je nach Intensität verschwinden und während der Prozesse innere Sätze auftauchen, so als würde das Gehirn Lösungsprozesse vorantreiben und neue Inhalte produzieren. Es entstehen auch sehr interessante körperliche Reaktionen, manchmal kann sich zB der Körperdruck verdichten, dann auch wandern, es kann auch ein Kribbeln und eine Art Bewegung an verschiedenen Körperstellen auftauchen. Ich bin fasziniert und erstaunt über die Wirkung dieser Methode.

 

Welcher Erfahrungen habe ich bei meinen PatientInnen und Klientinnen gemacht?

Manchmal ist es so, dass PatientInnen erst auf diese Methode vorbereitet werden müssen, die Atmung muss trainiert werden, sowie das Fokussieren muss geübt werden. Die Menschen lernen ihre Gefühle im Körper zu verorten, dorthin zu atmen und auch ganz mit ihren Gefühlen in Kontakt zu sein, also nicht mehr zu verdrängen. Durch dieses "ganz-in-Kontakt-sein" tritt etwas sehr Interessantes auf, das Gefühl wird ausreguliert und es treten danach positive Gefühle auf, wie zB Freiheitsgefühle, Entspannung, Freude usw... und es tauchen dann positive Bilder auf, wie zB Urlaubsbilder, angenehme Erinnerungen, u. a. auch aus der Kindheit, die bereits längst vergessen waren. Bei sehr schwer traumatisierten Menschen wird vorerst eine stark ressourcenorientierte Methode von Traumafokus angewendet. Es werden vorerst angenehme Orte im Körper aufgesucht und zu einem Körperressourcennetz verbunden. Wenn das gut trainiert wurde, dann erst werden traumatische Inhalte miteingeflochten. Weiters werden positive Bindungserlebnisse aufgerufen, welche es dem Gehirn ermöglichen besser zu regulieren und sozusagen einen Schutz bei der Verarbeitung von traumatische Inhalten zu bieten. Positive Bindungserlebnisse können sein: Verbundenheitserlebnisse mit der Natur, die wohlwollende Großmutter, schöne Erlebnisse mit dem eigenen Hund usw...

 

Wie kann ich mir eine Schmerztherapie mittels Traumafokus bzw. Painspotting vorstellen?

Bei Painspotting arbeitet man von der Grundstruktur her genauso wie bei der Basisstruktur von Traumafokus, jedoch wird dem Schmerz noch mal mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Man konzentriert sich bewusst auf die schmerzende Stelle bzw. schmerzenden Stellen und ermittelt wieder den Augenfokus dazu. Zusätzlich kann auch wieder das Körperressourcennetz aktiviert werden, auch dieses fördert die Schmerzregulierung. Alleine schon die Aufmerkeitslenkung auf die Atmung sorgt sehr oft für eine Entspannung und auch dafür, dass die Schmerzen weniger werden. Es lösen sich Verspannung, da sie an der Wurzel erreicht werden. Vielleicht hilft Ihnen folgendes Beispiel: Wenn wir uns im Leben oft schützen mussten und auch Angst hatten, haben wir vielleicht sehr oft die Schultern hochgezogen, die Muskeln angespannt, dies passierte unbewusst. Und dieser Reflex bleibt sehr oft gespeichert, da die ursächlichen Stressgefühle dazu noch immer im Gehirn und im Nervensystem gespeichert sind. Durch die Ausregulierung dieser Stressgefühle, entspannen sich unsere Muskeln, aber auch inneren Organe und Nervenbahnen, somit können sich Verspannungen auflösen. Mittlerweile ist auch aus diversen Studien bekannt und ich kann dies auch aus der Praxis bestätigen, dass Menschen mit Traumatisierungen verschiedene Schmerzzustände ohne organische Ursachen aufweisen. Aber es muss sich nicht immer um schwere Traumatisierungen handeln, denn auch generell schwierige Lebenssituationen können zu Schmerzzustände führen, da wir zB die Zähne zusammenbeißen, das Kiefer anspannen, die Schultern hochziehen... Traumafokus kann also in verschiedenen Lebenssituationen sehr hilfreich sein. Selbst bei Sportunfällen wie zB Skiunfällen kann Painspotting zu einer schnelleren Erholungsphase des beschädigten Körperteils führen. Eine Klientin konnte nach einer zweistündigen Behandlung sofort wieder besser auf den Fuß auftreten.

 

Wofür lässt sich also Traumafokus anweden?

Monotraumata, komplexe Traumatisierungen, Angst- und Panikzustände (Prüfungsängste), Depressionen, Zwängen, diverse psychosomatische Erkrankungen wie Morbus Chron, Magenproblemen..., diverse Schmerzzustände, wie zB auch bei Fibromyalgie. Aber auch bei Leistungsabfall in der Schule, sowie im Sportbereich. Generell für eine tiefe Auseinandersetzung mit Themen die uns beschäftigen um neue Lösungsansätze durch eine bessere Regulation im Gehirn zu kreieren.